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Tier wieder da - was jetzt?

    Was tun, wenn der Hund nach langer Zeit
    endlich eingefangen ist?

    (Dieser Text wurde freundlicherweise von der Tierärztin D. Neika ur Verfügung gestellt)

    Zunächst mal hat der Hund je nach Witterung und Umgebung das Problem, daß er womöglich dehydriert ist.

    Höchstwahrscheinlich hat er gehungert.

    Vielleicht hat er Mäuse, Aas oder Müll gefunden und gefressen.

    Vermutlich war er zwischenzeitlich unterkühlt oder mußte im Wind und auf kaltem Boden liegen.

    Die Pfoten dürften gelitten haben, die Augen und die Haut wahrscheinlich auch.

    Insgesamt ist der Hund mit Sicherheit ziemlich erschöpft, die Kräfte aufgebraucht, durch das viele Laufen, vielleicht sogar Fluchtrennen, panische Angst, schlechtes Schlafen, unzureichende Wasser und Futteraufnahme und die Kälte einfach am Ende...

    Wenn zusätzlich noch ein Verkehrsunfall, eine Beißerei, ein Kampf mit Wildschweinen, Schußverletzungen, Prügel von Leuten oder ähnliches dazukommt, gibt es vielleicht noch Wunden, Frakturen, Gehirnerschütterungen, Hämatome oder andere Verletzungen.


    Das bedeutet, eigentlich fängt man mit der normalen Notfalldiagnostik an.
    Sicherheitshalber zunächst Braunüle legen, Blutentnahme für Nierenwerte, Leberwerte, Glucose, HB, Rest aufbewahren für sonstige Verdachtsparameter.
    Infusion dran, Ringerlactat+ Glucose5, ggf. Vollelektrolyte.
    Komplett klinisch durchuntersuchen, jeder TA hat da sein eigenes Vorgehensschema, um nichts zu vergessen.

    Gesucht wird insbesondere nach Hinweisen für Infektions/Erkältungskrankheiten, Verletzungen äußerlich+innerlich sowie Organversagen.

    Als allererstes sucht man nach Hinweisen auf Störungen der Atmung, nach Schocksymptomen und inneren/äußeren Blutungen oder anderen Kreislaufproblemen.

    Augen: Pupillenreaktion? Gleichseitig? Nystagmus? Konjunktivitis? ggf. Fremdkörper unter den Lidern? Bei Verdacht auf Hornhautverletzung Fluoreszeinprobe., Schleimhautfarbe? Episkleralgefäße?

    Fang: Schleimhautfarbe, kapilläre Rückfüllungszeit, Schleimhäute trocken? Warm/Kalt? Verletzungen im Fangbereich? Zähne intakt? Rachen anschauen - Tonsillitis, Pharyngitis, Schleim?

    Kopf äußerlich, Ohren: Verletzungen? Hämatome? Otitis?

    Hals: Lymphknoten palpieren, Rachendruckprobe, Verletzungen?

    Rumpf: Hautturgor, Palpation Brustkorb (Rippenbrüche, Verletzungen?), Palpation Abdomen (Schmerz, Organe), Palpation Lymphknoten (Bug, Kniefalte, Inguinal, Poplitei), Palpation Wirbelsäule/Becken (Schmerz?)

    Temperatur messen, Kotkonsistenz beurteilen
    Puls fühlen

    Auskultation Rachen, Herz, Lunge, Abdomen

    Lahmheitsdiagnostik (Alle Läufe erst in der Bewegung (sieht man schon beim reinkommen), dann im Stand, dann in Seitenlage, von den Krallen bis zu den großen Gelenken)

    Blutprobe ist zwischenzeitlich fertig.

    Wenn die ersten 1-2 Flaschen (je nach Gewicht des Hundes) Infusion drin ist, gassi schicken mit der Kelle und Urin auf Cystitis/ Proteine (Nierenentzündung?) untersuchen.

    Grundsätzlich fertigen wir bei potentiellen Unfallhunden Röntgenaufnahmen von Thorax, Abdomen und ggf. Becken an. (Geht alles ohne Sedation) Beim kleinsten Verdacht auf innere Verletzungen machen wir zusätzlich Kontrastaufnahmen, Sonographie oder Abdominalpunktion.

    Erschöpfte Hunde brauchen erst mal leichte Kost, am besten Instantnahrung (ist flüssig, milchige-breiige Konsistenz) oder a/d, sowie viel Ruhe, Wärme und Zuwendung, soweit der Hund sie möchte. Wunden müssen versorgt, der Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt in Ordnung gebracht, die Nieren unterstützt und Infektionen bekämpft werden.

    Wenn der Hund sich wieder ein wenig erholt hat (Tage später) wird ein Bad angebracht sein, vielleicht eine Entflohung und Entwurmung und vermutlich eine Entfilz-und Entklett-Aktion. Aber erst muß er mal wieder medizinisch auf dem Damm sein bzw. über den Berg sein. Und er gehört aufgefüttert, sobald der Verdauungstrakt wieder feste Nahrung zuläßt.

    Haupttodesursache bei Hunden und Katzen, die versehentlich eingesperrt, verschwunden oder verletzt und verschwunden waren, ist eigentlich meist Nierenversagen. Nicht nur durch Dehydrierung und Hungerzustände, sondern auch durch Abbauprodukte nach Unfällen (Gewebeschäden), Muskelabbau (Hunger), Überanstrengung (Muskelfaserrisse in größerem Umfang) und Infektionen mit und ohne Fieber, die über die Nieren verarbeitet und ausgeschieden werden müssen, kommt es schnell zum Ansteigen der Nierenwerte (Harnstoff, Creatinin). Kommt noch eine aufsteigende Harnwegsentzündung oder eine Nierenquetschung nach Unfall hinzu, oder bei älteren Tieren eine Verschleißniere, gehts oft böse aus. Typisch ist u.a. für die Crush-Niere ein Nierenversagen 3-4 Tage nach dem Insult.

    Mit den Nieren ist nicht zu spaßen!!! (ich wiederhole mich, aber es ist wirklich megawichtig!!!)

    So, ich hoffe, das waren Euch jetzt nicht zu viele Fremdwörter. Hab versucht, möglichst viel in Deutsch zu schreiben.

    So ein Fundhund gehört m.E. nicht in die nächstgelegene Impfpraxis, sondern in eine Tierklinik. Das für die Diagnostik und Therapie zu investierende Geld sollte es einem wert sein!